2021/05

Viele kennen den Moment im Leben, an dem man sich fragt, warum tust du dir das eigentlich an. Oftmals sind das die Momente, wo alles auf einmal und dann oft ganz Dicke zusammen kommt.
In dieser Zeit, die uns nun schon über ein Jahr – außerhalb unserer regulären Arbeit und unseres vertrauten Handelns – mit immer wiederkehrenden unvorhersehbaren Situationen konfrontiert, ist es umso wichtiger, einen Fels sein Eigen nennen zu können. Einen Glauben, an dem wir uns aufrichten können und der eben unser Fels ist.
Nun leben wir in einer Zeit, in der es den Menschen immer häufiger an Glauben fehlt und es dadurch für Menschen ohne Glauben umso schwieriger ist.

Wir, die in der Eingliederungshilfe täglich für und mit Menschen mit Beeinträchti­gung arbeiten, setzen uns für diese mit voller Kraft und ganzem Herzen ein. Und so sind die Worte Lemuels, des Königs von Massa, die ihn seine Mutter lehrte, unser Fels und unsere Aufgabe.
Täglich müssen wir erfahren, wie wichtig selbst in einer aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren dieser Einsatz ist. Immer noch sind Ausgrenzung und Ablehnung dem anderen, dem unbekannten, dem Menschen, der nicht der rituellen Norm entspricht, an der Tagesordnung. Allzu oft erleben wir in der Gesellschaft eine notgedrungene Akzeptanz, selten ein offenes Miteinander.
Leider müssen wir uns selbst auch oftmals fragen, wie offen wir mit unserer Arbeit umgehen. Wie oft bauen wir selbst vermeintliche Schutzwälle auf und verhindern dadurch ein Hineinwachsen in die Gesellschaft. Ist es nicht an der Zeit, nicht nur die Türen zu öffnen, sondern nach draußen zu gehen und die Menschen, für die wir da sind, mit in die Gesellschaft zu nehmen?

Ein inklusives Leben für alle Menschen wird es nur dann geben, wenn auch wir unsere Arbeit zur Normalität werden lassen, wenn wir jedem einzelnen zeigen, wie normal auch die Menschen sind, für die wir uns jeden Tag einsetzen und denen wir Gehör verschaffen. Bis wir dies gemeinsam geschafft haben, bis wir voller Überzeugung behaupten können, dass jeder Stumme gehört und jeder Schwache sein Recht bekommt, vereint uns in der Lafim-Diakonie – ob mit oder ohne Glauben – der Spruch des Monats „Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen“.

 

Nico Vogel
Fliedners Lafim-Diakonie