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Monatsworte


Gedanken zum Monatsspruch

Monatlich erscheinen Gedanken zum Monatsspruch.

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Mt 25,40
Monatswort, September 2022
Monatsworte
Einmal im Monat
September 2022

Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Mt 25,40

Jeden Tag stehen Menschen in unseren Einrichtungen am Bett, helfen ihnen beim Aufstehen, Anziehen, reichen Essen und sprechen freundliche Worte. Jeden Tag werden Menschen von der Wohnstätte in die Werkstatt gefahren, zum Arzt begleitet oder in die Tagespflege gebracht. Jeden Tag gestalten Men­schen den Alltag mit anderen Menschen in Wohnstätten und Pflegeheimen. Jeden Tag fahren Menschen in Häuser und helfen in den Wohnungen. Jeden Tag kommen Kinder in unsere Einrichtungen und begleiten Mitarbeiter:innen Familien. Unsere Lafim-Diakonie lebt davon, dass Menschen für Menschen da sind, damit es alle Menschen gut haben, damit Menschen mit Einschränkungen so selbst bestimmt wie möglich leben können.

Wahrscheinlich würden mich die Menschen überrascht ansehen, wenn ich sie in diesem Zusammenhang fragen würde, ob sie Jesus schon einmal begegnet wären. Die einen würden mich fragen, was das denn für eine pietistische Frage ist, ob ich jetzt ihr Berufungserlebnis hören wolle, die anderen würden mit der Achsel zucken und im Stillen denken: jetzt habe ich dem Pfarrer und Vorstand leider zeigen müssen, dass ich nicht so ein überzeugter berufener Christ bin und die nächsten würden sich kritisch abwenden und sagen, dass sie daran ohnehin nicht glauben würden.

Das sind die gleichen Menschen, von denen ich oben gesprochen habe, die jeden Tag voller Aufopferung, manchmal mit Freude, manchmal mit großer Anstrengung, aber die meisten mit großem Engagement und von Herzen für andere Menschen in unseren diakonischen Einrichtungen da sind.

Heute sage ich allen Menschen mit dem Wochenspruch des Diakoniesonntags:
Sie begegnen IHM jeden Tag in den Menschen, die Sie in Ihrer diakonischen Arbeit begleiten.

Jesus verbindet sich in den Worten des Wochenspruchs aus dem Matthäus­Evangelium mit diesen „Geringsten“ wie sie im Evangelium genannt werden. Diese Menschen, die wir mit Liebe ansehen, denen wir Gutes tun, diese Menschen sind heute Christus, wer ihnen nahekommt, wer sein Leben und seine Arbeitszeit mit ihnen teilt, ihnen Trost spendet und selbstbestimmtes Leben ermöglicht, der ist sogar nach Auffassung des Matthäusevangeliums ein guter Christ – egal was er glaubt - denn diese Menschen erben das Reich Gottes.

Was für eine Verheißung, die der von Herzen getanen diakonischen Arbeit gilt.

 

Herzliche Grüße

Ihr Pfarrer Matthias Welsch
Lafim-Diakonie

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August 2022

Jubeln sollen die Bäume des Waldes vor dem Herrn, denn er kommt,
um die Welt zu richten.

1. Chronik 16,33

Also, das mit dem Richten so vor Gericht und so, das ist ja nicht immer zum Jubeln. Auf hoher See und vor Gericht, so sagt man, ist man in Gottes Hand. Eine Sicher­heit gibt es da nicht. Also kann man eigentlich erst jubeln, wenn man ein möglichst positives Ergebnis in den Händen hält. Und das mit den positiven Dingen sieht im Augenblick nicht so positiv aus. Was schön wäre, wenn jemand, am besten Gott, selbst dazwischen ginge und manchen Verbrechern der Welt ein Urteil mit Konse­quenzen überbringe würde. Das wäre gut, da könnten wir jubeln. Aber sind wir da alle so sicher, dass wir die Guten sind, die die vor dem Gericht unseres Gottes als die Gerechten dastehen. Sicher, es gibt immer viele, die schlimmer sind als wir, aber so ganz ohne Schuld sind wir vielleicht auch nicht. In der Bibel ist oft von dem „Jüngsten Gericht“ die Rede. Man kann besser sagen: dem „Letzten Gericht“. Das ist dann wohl die Gerechtigkeit in Reinkultur. Keine Beziehungen, keine Bestechung, keine Entschuldigungen, die reine Wahrheit. Oh, Das klingt nur oberflächlich gut, das hört sich gefährlich an. Jedenfalls nicht nach Jubeln, eher nach Unsicherheit. Wenn Gott die Welt richtet, wie es hier im 1. Buch der Chronik des Alten Testamen­tes heißt, dann liegt alles offen. Ein Gericht mit offenen Karten. Was soll da zum Jubeln sein? Die Freude kommt erst auf, wenn wir in der Bibel weiterlesen und bei Jesus auf das wichtige Wort „Vergebung“ stoßen. Da kann man aufhorchen, das klingt so, als müsste man keine Angst haben. Das ist so. Seit wir durch die Taufe zur Familie Gottes gehören, haben wir plötzlich doch wieder Beziehungen, gibt es trotzdem Entschuldigungen. Ent-Schuldigung heißt, die Schuld wird entsorgt. Na prima, dann können wir ja machen, was wir wollen! Nö! So nicht! Paulus sagt das ungefähr so: „wenn ihr nun von Gott die Entschuldigung bekommen habt, dann müsst ihr euch auch so benehmen. Und zwar so, dass die anderen es sehen und Lust bekommen, es euch nachzumachen!“ Das klingt nun wieder nicht so einfach. Ja, aber schwer ist es auch nicht. Eher doch zum Jubeln. So sehr, dass sogar die Bäume im Wald jubeln. Ein tolles Bild. Die ganze Welt wird froh sein, wenn das geschieht. Dann sollte es bald geschehen. Aber das bestimmen wir - Gott sei Dank - nicht. Wir können uns trotzdem mit Freude vorbereiten.

Paul Gerhardt hat das in seinem Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ wunderbar beschrieben:
Mach in mir deinem Geiste Raum,
dass ich dir werd ein guter Baum,
und lass mich Wurzeln treiben.
Verleihe, dass zu deinem Ruhm
ich deines Gartens schöne Blum
und Pflanze möge bleiben.

 

Mit herzlichen Sommergrüßen
Matthias Fiedler

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Juli 2022

Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott.

Psalm 42,3

Es war, es ist zu viel: Anforderungen, die mir über den Kopf wachsen.
Eindrücke, die ich nicht verarbeiten kann.
Fragen, die ohne Antwort bleiben. Einflüsse, die in mir versanden.

Und nun? Nichts geht mehr.
Ob die nahenden Urlaubstage mir helfen werden?

Die Zeit wird ein wüstes Land, in dem ich den Weg und mich selbst nicht mehr kenne.
Ich durchforste mein Inneres und finde nur Leere.
Aus dem Spiegel schaut mir ein fremdes Gesicht entgegen.

Die Seele dürstet. Dürstet sie nach Gott?
Wie gut täte es, einmal loslassen zu dürfen. Eingeladen zu sein.
Da wäre ein Tisch, den ich nicht selbst decken muss.
Einer reicht mir das Brot und schenkt mir ein.
Einer liest mir die Sorgen von der Seele und spricht mir Mut zu.
Ich muss meine Kräfte nicht länger aus mir selbst schöpfen.

Ich sitze nur da und ruhe mich aus.
Es dauert lang, bis die Antreiber in mir schweigen.
Ich schaue aus dem Fenster.
Nach und nach glätten sich die Wirbel und Wogen.
Ich spüre, wie in mir eine Stille wächst.

Wie gut es tut, einmal loszulassen.
Meine leeren Hände anzuschauen.
Sie schaffen nichts, sie greifen nach nichts, sie kontrollieren nichts.
Sie werden bereit, sich füllen zu lassen.

Eingeladen sein.
Ich komme zu mir und spüre, wie nach und nach meine Kräfte wieder wachsen.
Ideen fliegen mir zu und Worte von anderswoher werden zu meinen.
Was wesentlich ist, ordnet sich neu.

Meine Seele kommt zur Ruhe, ihr Durst wird gestillt.
Als sei ich an einer Quelle, aus der das Leben sprudelt.
Die einfach da ist, einladend und unerschöpflich.
Wenn ich gehe, weiß ich, dass ich wiederkommen darf, um mich erfrischen und stärken zu lassen. Jederzeit.

Wir müssen uns von der Seele reden, was uns bekümmert –
im Gespräch mit Gott selbst oder mit unseren Freundinnen und Freunden.

 

Es grüßt Sie aus Brandenburg an der Havel

Diakon Olaf Eggert
Fliedners Lafim-Diakonie

 

 

 

 

 

Gebet:

Gott,
manchmal komme ich zur Ruhe
und merke erst dann,
dass ich dich ganz vergessen hatte.
Mein Leben nimmt mich in Anspruch,
oft komme ich kaum hinterher.
Nun aber ist es still.
Ich spüre, wie mein Atem tiefer wird.
Mein Herz schlägt verlässlich in mir.
Als ob ausgerechnet die Stille
ein Resonanzraum wäre,
In mir beginnt eine Stimme zu klingen
von anderswoher.
Fast kommt es mir vor,
als hättest du auf mich gewartet.

 

Segenswunsch:

Ich wünsche dir lebendiges Wasser,
dass auf dich regnet und belebt, was dürr
und trocken geworden ist.
Lausche seinem Rhythmus:
wie es tropft und klopft
und eine Melodie in dir singt,
die dich zurückruft ins Leben.

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Juni 2022

Lege mich wie ein Siegel auf dein Herz, wie ein Siegel auf deinen Arm. Denn Liebe ist stark wie der Tod.

Hohelied 8,6 (Lutherbibel 2017)

Dieser Spruch stammt aus dem „Hohelied Salomos“, zu finden in einer Sammlung von Liebesliedern im Alten Testament. Er wird auch gern als Trauspruch verwendet, dabei geht es um die Liebe zweier Menschen zueinander, die Beziehung wird auf Lebenszeit besiegelt. Für eine dauerhafte, gute Beziehung zu Menschen und auch zu Gott brauchen wir die Liebe als Grundlage, als Voraussetzung.
Aber wie erkennt man die Liebe? Sie ist dem anderen und uns ja nicht ins Gesicht geschrie­ben, wir möchten so gesehen, angenommen werden, wie wir sind, und zwar bedingungslos. Im 1. Korintherbrief kann man darauf eine Antwort finden, dort beschreibt Paulus in seinem Hohelied der Liebe Folgendes:

Die Liebe ist langmütig, / die Liebe ist gütig. / Sie ereifert sich nicht, /
sie prahlt nicht, / sie bläht sich nicht auf.
Sie handelt nicht ungehörig, / sucht nicht ihren Vorteil, /
lässt sich nicht zum Zorn reizen, / trägt das Böse nicht nach.
Sie freut sich nicht über das Unrecht, / sondern freut sich an der Wahrheit.
                                                   1.Korinther 13,4-6 (Einheitsübersetzung)

Diese Worte gelten nicht nur den „Frischverliebten“, sie können auch anregen, über unser Verhalten nachzudenken im Umgang miteinander. Zum Beispiel: nicht ungehörig zu han­deln, nicht unseren Vorteil zu suchen im Kleinen wie im Großen, sich nicht zu ereifern, nicht zu prahlen, nicht schadenfroh zu sein und Unrecht zu benennen und wenn es geht, es zu verhindern. Gott kommt uns mit seiner Liebe entgegen. Weil er uns liebt können und sollen wir auch andere lieben.
Martin Luther King hat einmal gesagt: „Wir müssen die Kraft der Liebe entdecken, die befreiende Kraft der Liebe, und wenn wir das tun, dann werden wir aus dieser alten Welt eine neue Welt machen. Denn Liebe ist der einzige Weg.“

Dazu fällt mir ein Lied ein, das uns Mut machen kann, die Liebe immer wieder neu zu ent­decken: Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.

  1. Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer, wie Wind und Weite und wie ein Zuhaus.
    Frei sind wir, da zu wohnen und zu gehen. Frei sind wir, ja zu sagen oder nein.
  2. Wir wollen Freiheit, um uns selbst zu finden, Freiheit, aus der man etwas machen kann,
    Freiheit, die auch noch offen ist für Träume, wo Baum und Blume Wurzeln schlagen kann.
  3. Und dennoch sind da Mauern zwischen Menschen und nur durch Gitter sehen wir uns an. Unser versklavtes Ich ist ein Gefängnis und ist gebaut aus Steinen unsrer Angst.
  4. Herr, du bist Richter! Du nur kannst befreien. Wenn du uns freisprichst, dann ist Freiheit da. Freiheit, sie gilt für Menschen, Völker, Rassen, so weit, wie deine Liebe uns ergreift.
                                                 Text: Ernst Hansen Melodie: Lars Ake Lundberg 

Es grüßt Sie aus Potsdam

Christiane Soyeaux
Lafim-Diakonie

Mehr lesen Monatswort Juni 2022
Mai 2022

Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.

3. Johannes 2

Gesundheit, welch hohes Gut – wir alle streben und sehnen uns danach. Gerade in Zeiten einer noch immer anhaltenden Pandemie. Gerade in Zeiten eines entsetzlichen Krieges direkt vor unserer Haustür. Da wird uns täglich aufs Neue bewusst, wie kostbar und eben nicht selbstverständlich Gesundheit und Wohlergehen sind. Wie schnell auch uns ein Leid treffen kann.
Zu Geburtstagen, oder einfach wenn jemand niest, wünschen wir einander zuallererst Gesundheit. Seit nun über zwei Jahren ist es nahezu alltäglich geworden, eine E-Mail oder ein Gespräch mit dem aufrichtigen Wunsch „Bleiben Sie gesund!“ zu beenden. Es ist wohltuend, dass aus einer oftmals dahingesagten Floskel, ein spürbar aufrichtiger Wunsch geworden ist. Aber es steht dabei erst einmal das körperliche Wohlergehen im Vordergrund.
Der Verfasser des Johannesbriefes geht noch darüber hinaus, denn er wünscht seinem Freund in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit. Er wusste bereits, dass Körper und Seele eine Einheit sind. Mehr noch! Dass sie einander bedingen. Isolation und Einsamkeit führen zu seelischen und dann vielleicht auch zu körperlichen Beschwerden. Oder umgekehrt. Wir alle kennen diese schmerzlichen Erfahrungen. Es sind tiefe Einschnitte für uns. Kerben in unseren Seelen und Körpern.
Vor einigen Wochen zog das Virus auch bei mir ein – trotz Impfung und aller Vorsicht. Wenn wir krank sind, brauchen wir einmal mehr eine helfende Hand und den liebe-vollen Blick eines anderen Menschen. Ein Wort, das uns tröstet. Jemanden, der uns eine kräftige Brühe kocht. Die liebe Freundin, die uns auf dem Krankenbett das Kissen aufschüttelt. Denn wir sind soziale Wesen. Wir brauchen einander. Ohne ein Lächeln, ein gutes Wort oder eine helfende Hand geht es uns nicht gut. Dass nun gerade all das nicht ging, lag schwer auf der Seele und belastete zusätzlich. Allein in einem kleinen Zimmer, um den Mitbewohner nicht anzustecken. Digital zwar verbunden mit der „Außenwelt“, aber eine stärkende Hand vermissend.
„Oh Gott, du frommer Gott, du Brunnquell guter Gaben,
ohn´ den nichts ist, was ist, von dem wir alles haben:
Gesunden Leib gib mir und dass in solchem Leib
ein unverletzte Seel und rein Gewissen bleib.“ (EG 495)
EINER war und ist aber immer da. Das Vertrauen auf Gott und die Liebe Gottes hilft uns durch schwere Zeiten. Der Theologe Hans Küng formulierte diese Hoffnungs-botschaft so: „Gott bewahrt uns zwar nicht vor allem Leid, wohl aber in allem Leid.“ Gottes Liebe und Barmherzigkeit wird spürbar. Diese kraftvolle Botschaft von Gottes Liebe zu den Menschen zieht sich wie ein roter Faden auch durch die Briefe des Johannes. Wir können Gott nur über die Liebe nahekommen.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit!
Es grüßt Sie aus den Zentralen Diensten in Potsdam
Sabine Papies

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April 2022

Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun!

Lukas 23,34 (Predigttext am Karfreitag)

Wir Christ:innen feiern Karfreitag und Ostern in diesem Monat. Für uns Protestanten gilt der Karfreitag als der höchste Feiertag. Im Lukasevangelium sagt Jesus ganz besondere Sätze am Kreuz, die erklären, warum der Tag so wichtig für uns ist.
Gehen wir in Gedanken aber zunächst mit dorthin, ans Kreuz. Der Evangelist lässt uns mit seiner Darstellung des Sterbens Jesu erschaudern, gerade in dieser erschreckenden Zeit. Er beschreibt es als kosmisches Ereignis: „es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde und die Sonne verlor ihren Schein und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei“. Dunkelheit, mitten am Tag und symbolisiert durch den Riss im Vorhang verlässt Gott die Welt.
Menschen erleben die Dunkelheit und den Schrecken des Todes in belagerten und zerstörten Städten in der Ukraine auch in diesem Jahr mit Blick auf den Karfreitag. Der Verlust von Vertrauen in das Leben, das Gefühl, dass Gott die Welt verlassen haben muss, werden sie schmerzlich nachvollziehen können.
Am Karfreitag stellen wir uns der Wahrheit, dass wir an vielen Orten in der Welt diese grenzenlose Dunkelheit, diese Gottverlassenheit durch die Gewalt von Menschen gegen Menschen selbst hervorrufen. Wie Gott verlassen müssen Menschen sein, die nur noch in verzweifelter Gewalt gegen alles, ohne Rücksicht auf Verluste denken und handeln können. Das Karfreitagsgeschehen kommt uns in diesem Jahr besonders nahe und geht uns an, stellt in Frage, ruft nach Antworten.
Jesus spricht in dieser Situation drei Sätze, die uns eine Zumutung sind, gerade in dieser Dunkelheit.
Der eine Satz heißt: „Vater, vergib ihnen, sie wissen nicht was sie tun.“
Er betet um Vergebung für die, die ihm Gewalt antun. Wir mögen dagegen anschreien und erbittert Fragen, ob solche Gewalt, wie sie in der Ukraine passiert wirklich zu vergeben sein sollte, kann man das jemals? Und doch, Jesus würde beharren und wiederholen, „Vater vergib ihnen, sie wissen nicht was sie tun“. Eine grandiose Zumutung ist das – aber der einzige Weg zum Frieden. Nur Vergebung hilft. Wir werden als Menschen dazu nicht in der Lage sein. Wir brauchen Gott und seine Vergebung, die weitersieht, als unser Blick in der Dunkelheit geht. Er allein kann vergeben, aber auch unsere Perspektive wandelt sich unter dem Kreuz, wenn wir beginnen ihn mit Jesus darum zu bitten.
Dann drückt Jesus in den beiden weiteren Sätzen, leidend am Kreuz seine Hoffnung aus und lässt so das Licht des Ostermorgens schon am Kreuz leuchten: Er nimmt den Verbrecher neben sich mit seinen Worten mit ins Paradies: „Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Und schließlich vertraut er sich selbst mitten in dieser Dunkelheit seinem Gott an: „Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“
Unser Geist in Gottes Händen, unsere Zukunft im Paradies und unser Friede in der Bitte um Vergebung. Da steckt in dieser Karfreitagsgeschichte unser ganzer Glaube, unsere Hoffnung und unsere Liebe und da scheint das Osterlicht auf.

Ich grüße Sie herzlich zum Osterfest 2022
Ihr
Pfarrer Matthias Welsch

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März 2022

Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen.

Epheser 6,18

Haben wir früher mit der Familie einen Urlaub unternommen, war die Besichtigung kulturell und historisch bedeutsamer Kirchenbauten obligatorisch. Als Kind hätte ich auf jeden Fall den Besuch einer Eisdiele vorgezogen. Den kulturellen Wert wusste ich wenig zu schätzen, von den meist dunklen, kalten Kirchenräumen fühlte ich mich eher eingeschüchtert und bedroht als beeindruckt. Einmal aber trat ich bei einer jener Kirchenbesichtigungen mehr aus Langeweile denn aus Neugier neben meine Mutter, die still vor einem Kerzenbaum stehengeblieben war. Wir blickten auf die tanzenden Flammen der kleinen Teelichter, die je für einen guten Gedanken, eine Bitte für einen Mitmenschen brannten.
„Möchtest du auch eine Kerze anzünden?“, flüsterte meine Mutter mir zu und alles um mich herum begann sich zu verändern. Ich empfand die Stille um mich herum nicht mehr als bedrückend, sondern als beschützend, als Quelle der Erholung vom touristi­schen Lärm außerhalb der Kirche, fühlte mich verbunden mit meiner Umgebung, mit Menschen, die vor mir Kerzen entzündet hatten und mit Menschen, an die ich nun
zu denken anfing. Ich entschied mich, den freien Wunsch – so fühlte es sich an – für meine Oma einzusetzen, die nach dem plötzlichen Tod meines Opas allein zurückge­blieben war. Als ich ein neues Teelicht nahm und an einer bereits brennenden Kerze entfachte, war ich mir sicher, sie müsse auch etwas von dem Licht und der Wärme spüren, die sich in mir ausbreitete. Das Entzünden von Fürbittenkerzen, das Innehalten im Sightseeing-Plan, das Sich-Zeit-Nehmen, um an andere zu denken, das Verbindung-Herstellen zu Menschen in der Ferne wurde zum geliebten Ritual auch bei folgenden Kirchenbesichtigungen.
Und als ich mich später aus dem Schutz der gründlich geplanten Familienreisen herausbegab, um mich dem Leben mit seinen Herausforderungen allein zu stellen, erreichten mich ab und zu, aber immer zum richtigen Zeitpunkt, Postkarten aus dem Elternurlaub mit der Aufschrift: „Wir haben eine Kerze für dich angezündet.“
Mit dem aktuellen Monatsspruch erinnert der Schreiber des Epheserbriefs daran, sich der Praxis der Fürbitte – des Aneinanderdenkens und Füreinanderbetens – zu besinnen. Seien auch Sie eingeladen, diese Erinnerung als Anregung in den kommenden Monat mitzunehmen und sich zu besinnen: Wer könnte einen guten Gedanken, ein Gebet von Ihnen vielleicht gerade besonders gebrauchen?

Ihre Vikarin Myriam Lütkepohl

Mehr lesen Monatswort März 2022
Februar 2022

Zürnt ihr, so sündigt nicht; lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen.

Epheser 4,26

Es gibt schon Gründe zornig zu werden. Wenn man sich ungerecht behandelt fühlt oder wenn man von anderen missachtet wird. Wenn sich einer gekränkt und verletzt fühlt, dann ist ein damit einhergehendes Gefühl der Zorn. Wir kennen dafür noch andere Ausdrücke: Wut oder Ärger sind ähnliche Gefühle, wobei der Zorn eine deutlich aggressivere Tendenz hat. Zorn ist auf der einen Seite ein Gefühlsausdruck, der eine seelische Verletzung nicht depressiv verarbeitet, sondern zu Aktion führt und deshalb hat er eine positive und sinnvolle Seite, auf der anderen Seite besteht aber die Gefahr, dass gerade der Zorn entgleisen kann und sich dieses Gefühl in Aggression gegen andere den Weg bahnt, dann ist er gefährlich.
Diese zwei Seiten spricht der Bibeltext aus dem Epheserbrief an. Er nimmt es als gege­ben hin, dass Menschen zürnen, und er verurteilt dieses Gefühl nicht grundsätzlich. Er ermahnt uns aber zur Vorsicht im Umgang mit diesem Gefühl. Wem die Gefahren bewusst sind, dass Zorn schnell in Aggression umschlagen kann, der wird wohl davor bewahrt, dass aus Zorn Sünde wird, wie es der Epheserbrief nennt.
Der Autor des Epheserbriefes zitiert übrigens im ersten Teil ein Psalmwort aus Psalm 4, dort geht der Satz aber anders weiter: „Zürnet ihr, so sündiget nicht; redet in eurem Herzen auf eurem Lager und seid stille.“ Der Ratschlag des Psalmbeters zum Umgang mit dem eigenen Zorn ist also ein anderer, er ermahnt dazu, den Zorn lieber mit sich selbst auszumachen und damit auch nicht in Aggression nach außen umschlagen zu lassen, ja er meint sogar, man solle sich, wenn man zornig ist, lieber still alleine ins Bett legen und warten bis er verraucht ist. Der Ratschlag des Epheserbriefes ist ganz anders und nimmt damit eine bis heute gültige Volksweisheit auf: „lasst die Sonne nicht über eurem Zorn untergehen“ – also legt den Streit bei, bevor ihr ins Bett geht. Das ist in vielen Situationen im Leben ein hilfreicher Ratschlag, nicht nur weil es die Menschen besser schlafen lässt, sondern auch weil es hilft, dass sich der Zorn nicht weiter aufstaut, sondern in konstruktive Energie umwandelt, wenn die zugrundeliegende Verletzung zur Sprache gebracht wird und ausgesprochen wird. Viele Missverständnisse im Zusammenleben lassen sich damit vermeiden, das gilt sowohl in Partnerschaften, aber auch für andere Freundschaften und das Miteinander am Arbeitsplatz.
Der biblische Text gibt es uns also sehr konkrete Ratschläge wie wir unser Zusammen­leben verbessern können – es tut sicher gut, wenn wir uns das bewusst machen und uns beim nächsten Grund zornig zu sein daran erinnern.

Ihr Pfarrer Matthias Welsch
Vorstand Personal und Diakonie

Mehr lesen Monatswort Februar 2022
Januar 2022

Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.

Johannes 6,37

Auch wenn die Festtage am Ende des Jahres durch die Coronapandemie vielleicht ganz anders waren als wir sie gerne in den Familien und mit Freunden gefeiert hätten, so bin ich doch gewiss, dass überall gut gegessen worden ist. Gutes Essen ist wichtig für uns. Wir wissen das auch aus unseren Gemeinschaftseinrichtungen, dass gutes Essen die Stimmung erheblich verbessert. Gutes Essen ist mit Wohlbefinden und gutem sozialem Kontakt verbunden. Nachteil ist nur, wir werden danach wieder hungrig.
Sie werden fragen, was das jetzt mit der Jahreslosung für das Jahr 2022 zu tun hat? Dazu muss man den Kontext des Verses lesen. Die Einladung, die Jesus ausspricht, hängt mit Essen zusammen. Sie steht in der sogenannten Brotrede des Johannes, die im Johannesevangelium die Erzählung vom Abendmahl ersetzt. Das Kapitel beginnt mit der konkreten Speisung der 5000, deren tiefere Bedeutung dann in der folgenden Brotrede ausgeführt wird. Wie uns das Essen von Brot nährt und am Leben hält und der Wein den Durst stillt, so ist der Glaube, so sind die Worte Jesu noch viel wichtiger als das Leben erhaltende leibliche Essen und Trinken. Es geht viel mehr um das Brot, das vom Himmel kommt und Leben schenkt, es geht um das ewige Leben. In diesem Zusammenhang folgt das Ich-bin Wort Jesu direkt vor dem Vers der Jahreslosung, in dem es heißt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wir nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wir nimmermehr dürsten.“
Jesus betont, dass diese Tür zum Glauben, dieses Angebot der ganz besonderen Weis­heitsspeise für immer und für alle offen bleibt, „wer kommt wird nicht hinausgestoßen.“
Das Angebot steht also, jeder kann zu dieser Mahlzeit kommen. Das Brot des Lebens ist versprochen, unverbrüchlich. Es ist ein Brot, dass Sinn gibt, es ist ein Brot, das auf die Ewigkeit weist, es ist ein Brot, dass nicht nur leiblich für immer satt macht, sondern unser Herz erreicht, unsere Seele. Ein Brot, dass unsere Sehnsucht stillt. Ein Brot, dass unser Leben und unser Miteinander mit Liebe füllt, ein Brot, dass uns mit dem Ursprung allen Lebens, mit Gott selbst verbindet, ein Brot, das uns ans Ziel unseres Lebens bringt.
Was für ein Angebot, es steht nicht nur in diesem Jahr.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr mit vielen Gelegenheiten solche Weisheitsspeise zu sich zu nehmen für das innere Wohlbefinden, jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Ihr Pfarrer Matthias Welsch
Vorstand Personal und Diakonie

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Dezember 2021

Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.

Sacharja 2,14

Die Monatslosung für Dezember 2021, liebe Lese­rinnen und Leser dieser Zeilen, sie entstammt dem Prophetenbuch des Sacharja. Sie gehört zu den berühmten sieben VISIONEN dieses „kleinen Propheten“, die weitblickend vorausschauen auf eine endlich wieder gute und heile Zeit:

  • in der die Menschen und Völker Frieden finden,
  • sich unbeschwert miteinander freuen dürfen
  • und Gottes Anwesenheit für eine ausgelassene Stimmung in den Wohnungen der Menschen sorgen wird.

Diese Vision von Gottes heiler Welt – wie passt sie in unseren Dezember 2021? Wird es doch täglich immer noch dunkler und trüber, einsamer und schon gar nicht friedlicher in diesem Advent!
Visionen der Bibel sind lebendige Eindrücke aus der Himmelsperspektive“, aus dem Blickwinkel Gottes. Denn ER sieht manches sehr anders als wir. Sieht weiter und klarer. Und das malen die Visionen des Sacharja aus: die Geburt eines Heilan­des, eines demütigen Friedenskönigs, der statt hoch zu Ross auf einem Eselchen reitet. Geboren im Stall unter dem Sternenlicht der kalten Nacht im Nahen Osten…
Sacharja schult uns auch in diesem kleinen Monatsspruch darin, Gottes Blick auf unsere Gegenwart wahrzunehmen und selbst daran teilzuhaben:

  • Er schenkt uns Bilder vom Himmel. Bilder von Gottes Friedensplan für uns alle, voller Engel und Sterne, Licht und Ruhe.
  • Er schenkt uns Lieder der Liebe: Melodien von seiner Kommunikation, die uns singen und tanzen lassen, selbst wenn es draußen dunkel ist und kalt bleibt.
  • Und er umhüllt uns mit den Düften der Verheißung auf die Genüsse des Himmels – in jede Stube findet dieser Duft hinein, in der mit Liebe und Hingabe vorbereitet und gewirtschaftet wird.

Lasst uns deshalb - gegen allen Anschein dieser dunklen Tage - teilhaben an der Schar der „Töchter Zions“ – und mit ihnen den Advent durchwandern: schauend, singend, mit dem Duft von Advent in unseren Häusern. Gott kommt. Bestimmt!

Bleiben sie behütet an Gemüt und Gemeinschaft

Ihre Pfarrerin Dr. Dorothea Sitzler-Osing
Mitglied des Kuratoriums der Lafim-Diakonie

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November 2021

Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus.

2.Thessalonicher 3,5

Der Monat November ist geprägt von Dunkelheit, trübem Wetter und Traurigkeit. In dem Monatswort klingt es ganz anders. Dort kommt Hoffnung in den Blick und die Aussicht, dass sich etwas ändert.
Ende November gehen wir in die Adventszeit und auch jetzt zünden wir schon Lichter an, um die Dunkelheit zu vertreiben. Auch am Ewigkeitssonntag werden viele Lichter angezündet. Wir geben der Trauer Raum, aber nicht ohne Hoffnung, denn wir wissen uns verbunden mit der Liebe Gottes und den Menschen, die zu uns gehören. Wir tragen sie in unseren Herzen.
Die Nähe zu Gott kann unser Leben, unsere Gewohnheiten, Denkmuster und unser Handeln verändern. Wir warten auf die frohmachende Botschaft, dass Christus auf die Welt kommt und wir ihm nachfolgen dürfen.
Vieles hält uns heute in Atem. Wir haben kaum Zeit oder nehmen sie uns kaum, um darüber nachzudenken, was wirklich wichtig ist für uns selbst und für Andere. Dabei lädt uns gerade die dunkle Jahreszeit dazu ein, Fragen über das Leben, den Tod und das Danach zu stellen.
Die Botschaft von Gottes Liebe sollen wir im Herzen bewegen, uns von ihr anrühren lassen durch unser Tun und Handeln und im Warten auf Christus jetzt und heute und nicht irgendwann. Lassen Sie uns innehalten und aussteigen aus den Alltagssorgen, aus Stress und Hektik und dabei entdecken, was Gottes Liebe bewirken kann. Es lohnt sich.

 

Im Evangelischen Gesangbuch unter der Nr. 642 steht:

Manchmal kennen wir Gottes Willen, manchmal kennen wir nichts.
Erleuchte uns, Herr, wenn die Fragen kommen.
Manchmal sehen wir Gottes Zukunft, manchmal sehen wir nichts.
Bewahre uns, Herr, wenn die Zweifel kommen.
Manchmal spüren wir Gottes Liebe, manchmal spüren wir nichts.
Begleite uns, Herr, wenn die Ängste kommen.
Manchmal wirken wir Gottes Frieden, manchmal wirken wir nichts.
Erwecke uns, Herr, dass dein Friede kommt.

Es grüßt Sie aus den Zentralen Diensten in Potsdam
Christiane Soyeaux – Leiterin Stabsstelle Christliches Leben und Diakonie

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Oktober 2021

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.

Hebr. 10,24

Da steht er nun der Monatsspruch. Aussagekräftiger könnte er nicht sein, wie ich finde. Gern wird er als Trauspruch gewählt, denn wie kann eine gut funktionierende Ehe ohne Liebe, gute Werke und das aufeinander Achthaben bestehen? Doch wohl lediglich auf dem Papier.
Wir lesen im Monatsspruch von aufeinander achthaben. Zu Zeiten der Pandemie machte es den Anschein, dass es uns sichtlich schwerer fällt, um aufeinander achtzuhaben. Es fehlte dazu schlicht an Nähe. Freunde, Verwandte, Nachbarn - sie wirkten alle weit in der Ferne. Gefühlt gaben wir jegliche Zügelführung unserer Freiheit an die Regierung ab. Aber mit genauerem Blick müssen wir doch feststellen, dass wir genau in dieser intensiven Zeit, umso mehr aufeinander achthaben mussten. Wir waren, jeder für sich, in der Verantwortung, dass wir andere und uns nicht gefährden. Wir gaben dafür viel auf. Dennoch war und ist ein Zusammenhalt zu spüren. Um aufeinander achtzuhaben, müssen wir eben nicht unbedingt physisch anwesend sein. Auch aus der Ferne sind wir dazu fähig.
Im Monatsspruch finden wir auch das Wort Liebe. Es gibt viele Arten von Liebe: Nächstenliebe, Vorliebe, Mutterliebe, Heimatliebe, Eigenliebe. Aber alles hängt miteinander zusammen und kommt aus einer Quelle, von Gott. Würden wir ohne die Liebe eine solche Zeit gemeinsam durchstehen? Wo wäre da der Ansporn? Im Korintherbrief heißt es: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei. Aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ Könnten wir uns ohne Liebe zu guten Werken anspornen und aufeinander achthaben? Die Liebe ist einfach fundamental und ein jeder trägt sie bei sich.
Dann sehen wir die guten Werke. Biblisch gesehen sind die guten Werke Früchte des Glaubens und entstehen aus eigenem Antrieb und werden freudig vollbracht. Aber was verstehe ich beispielsweise als gutes Werk? Was kann ich als einzelne für gute Werke vollbringen? Worin liegen meine Stärken, um meine Werke gut werden zu lassen? Fakt ist, dass wenn wir aufeinander achthaben und wir dabei stets die Liebe in uns tragen, ist jeder für sich und auch wir als Gemeinschaft zu guten Werken fähig. Gute Werke finden wir in allen Dimensionen. Wir alle sind dazu fähig. Dienet einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat.
Es lohnt also, sich stets gegenseitig anzuspornen, um in der Liebe und das ständige aufeinander Achthaben gute Taten zu vollbringen – miteinander und füreinander.

Es grüßt ganz herzlich Franziska Notzke
Lektorin der ev. Kirchengemeinde Golzow-Planebruch

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September 2021

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.

Haggai 1,6

Ein pessimistisches Monatswort wird uns im September zur Herausforderung, vor allem in dieser Absolutheit, mit der der Prophet dieses Gerichtswort spricht.
Erschreckend nahe ist es vielen Menschen gerückt, die bei der Flut alles ver­loren haben. Sie mögen sich genau so fühlen, wenn ein Regentag die Frucht von jahrzehntelangem Arbeiten hinwegschwemmt und den Menschen, die in Südeuropa von den Feuersbrünsten betroffen ist, mag es genauso ergehen.
Der Prophet lenkt unseren Blick darauf und macht uns die Zerbrechlichkeit unseres Lebens bewusst und erinnert daran, dass unser Besitz und das irdische Leben nicht für die Ewigkeit bestimmt ist, sondern auch geprägt ist von Hunger und Durst.
Haggai greift das Jammern seiner Zeitgenossen auf, die nach dem Exil in ein zerstörtes und verwüstetes Land zurückgekommen sind. Sie sehen nur sich selbst. Sie sehen nur die eigene Not und versuchen mit allen Mitteln dieser Not ein Ende zu setzen. Das ist menschlich. Das Haus Gottes und die Hinwendung zu ihm sind ihre geringste Sorge. Sie fragen, warum greift Gott nicht ein? Und dennoch erwarten sie in der Not sein eingreifen. Das hinterfragt der Prophet kritisch. Wir erwarten in der Not alles von Gott, aber wenn es uns geht, dann vergessen wir ihn. Das passt nicht zusammen.
Die Lösung unserer Probleme bringt nicht unermüdliches Arbeiten. Die Lösung geschieht durch eine veränderte Blickrichtung. Unsere Wertvorstellungen müssen sich verändern. Nicht die eigenen Häuser haben den Vorrang. Vorrang hat das Haus Gottes. Sobald sie die Arbeit am Tempel aufnehmen, wird auch ihrem persönlichen Tun Erfolg beschieden sein. So sieht das der Prophet. Im neuen Testament heißt es dazu: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit“. Beides ist in diesem Satz enthalten, die Aufforde­­rung zum Gottesdienst und zum Dienst am Nächsten. Gott wünscht sich eine Welt, in der Gerechtigkeit und Liebe wohnen. Ihren Anfang nimmt diese Welt, wo Menschen sich Gott öffnen und sich von ihm verändern lassen.[1]

Herzliche Grüße

Ihr Pfarrer Matthias Welsch

[1] Gedankengänge von  Adelheid M. von Hauff in Pastoralblätter 09/21 übernommen.

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August 2021

Neige, Herr, dein Ohr und höre! Öffne, Herr, deine Augen und sieh her!

2. Könige 19,16
Kann das denn sein? Gottes Ohr verschlossen, seine Augen sehen vorbei?

Kann das denn sein? Dass uns das passiert – das ist wohl klar. Wie oft hören wir weg oder hören nicht, weil wir nicht hören wollen: vor allem kritische Dinge, vor allem was schwierig ist oder konflikthaft. Und auch wegschauen praktizieren wir täglich, weil wir Leid nicht sehen wollen, schlechte Nachrichten nicht wahrhaben wollen oder weil etwas einfach nicht in unser Bild vom Leben passt.
Aber Gottes Ohr verschlossen, seine Augen blind – kann das denn sein?
Der Beter, der die Worte des Monatsspruches formuliert, der hat das offensichtlich befürch­tet. Er hat sie wahrscheinlich verzweifelt ausgerufen in seiner besonderen Situation. Er schreit Gott an: „neige Dein Ohr, öffne deine Augen – jetzt wach doch endlich auf, sei doch endlich da!“ Siehst Du denn nicht wie unsere Welt von den Menschen kaputt gemacht wird, wie es immer heißer wird durch den Klimawandel, Arten verschwinden und unsere Lebensgrundlage bedroht ist? Hörst Du denn nicht das Schreien oder das leise Jammern derer, die in dieser Pandemie erkrankt sind und siehst Du nicht die Tränen der Trauer auf den Gesichtern derer, die einen Menschen durch Corona verloren haben?
Kann das sein, Gott, dass Du nicht hörst und nicht siehst?
Nicht nur damals als der König Hiskia Gott angesichts der Übermacht der Assyrer anrief, ist das das Gefühl von uns Menschen gewesen. Bis heute spüren wir diese Ohnmacht und Gottesferne in unserem Leben. Hiskias verzweifeltes Rufen blieb nicht unerhört. Der Prophet Jesaja ließ ihm die Trostworte Gottes ausrichten, zumindest ein paar Hoffnungs­worte, die dem Rest Israels nach der Katastrophe Mut machte von vorne zu beginnen. Vermutlich aber, konnte Hiskia die Hoffnung erst sehen und den Trost hören, nachdem er sich mit seiner Verzweiflung an Gott gewandt hatte. Nachdem er selbst also seine Ohren und seine Augen für die Botschaft der Hoffnung geöffnet hatte und so ein Weg aus der Verzweiflung sichtbar wurde.
Es kann also auch sein, dass wir unsere eigene Taubheit und Blindheit Gott unterstellen, statt uns an ihn zu wenden. Also vielleicht sollten wir die Frage in diesem Monat mal so herum stellen, kann es sein, dass wir nicht hören und sehen (wollen), was Gott uns an Trost und Hoffnung schenken will?

Gott, öffne meine Augen und Ohren,
damit ich höre und sehe, was so gar nicht in mein eigenes Bild vom Sein passt, mein eigenes Bild von mir selbst, mein eigenes Bild von der Welt.
Schärfe meine Wahrnehmung vor allem für die auf die niemand hört und an denen auch ich meistens blicklos vorübergehe. Lass mich wahrnehmen, dass Du mir da begegnest, statt im Klagen über Deine Ferne stehen zu bleiben.
Und, sende auch mir Boten, die Hoffnung machen und Trost spenden und vor allem, lass mich erkennen, wenn solche Boten kommen. Amen.

 

Herzliche Grüße
Ihr Pfarrer Matthias Welsch

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Juli 2021

Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Apostelgeschichte 17,27

Gottesferne. Von uns Menschen aus gesehen ist Gott oft fern. Für viele Menschen gerade heutzutage sowieso. Viele bestreiten gar gänzlich seine Existenz. Sie glauben nicht an ihn.
Gottesferne. Das beschreibt auch einen Weltzustand. Wenn Gewalt herrscht, Menschen ein­ander bekriegen. Wenn wir verantwortungslos mit der Welt und ihren Ressourcen umgehen.
Gottesferne. Darin steckt ein Gefühl der Verlassenheit, allein gelassen. Geradezu apokalyptisch.

Wenn der gute alte Paulus heute wiederkäme, wenn er statt nach Athen – wie damals – nach Brandenburg käme. Würde er den Satz noch so selbstverständlich sprechen? Erst recht! Denn die Athener fühlten sich nicht minder entfernt von dem Gott, den Paulus meint, als wir heute.
Dagegen setzt er dieses „in ihm leben, weben und sind wir“. Ob wir das merken oder nicht, ob wir das wissen oder nicht, auch ob wir dran glauben oder nicht. Gottesferne ist nicht die Entfernung Gottes von uns, sondern umgekehrt unser mehr oder weniger bewusstes uns selbst von ihm entfernen. Wir deuten unser Leben anders, eben in Entfernung zu ihm oder in bewusster Abkehr oder unbewusster Unkenntnis. Es ist unsere Entscheidung, nicht Seine. Gott hat sich trotzdem für uns entschieden. Er sucht das Gespräch und die Beziehung, immer wieder neu. Gott ist nahe, jederzeit.
Paulus sagt: Unser Leben ist immer in ihm. Er hat uns das Leben geschenkt. Er liebt uns, egal wie weit wir uns entfernen, er ist da und lässt sich finden, wenn wir denn nach ihm suchen. Er gibt Sinn und dem Leben ein Ziel. Er hat diese Schöpfung ins Leben gerufen und durchdringt sie bis heute mit seinem Geist.
Wer auf die Suche geht, egal wie skeptisch er ist oder wie weit entfernt, der wird Anzeichen für seine Anwesenheit finden und vor allem Geborgenheit und Sinn.
Der alte Paulus: er lädt uns noch heute ein, mit ihm zu suchen.

Gott ist nahe. Ganz gleich, was Du tust, welche Fehler Du machst und welche Schuld Du auf Dich lädst, er ist nahe und vergibt.
Gott ist nahe. Wie einsam und verlassen Du auch sein magst oder Dich fühlst – richte Dein Wort an ihn und sei gewiss, er hört Dich, auch wenn Du die Antwort (jetzt noch) nicht hörst.
Gott ist nahe. Wie sinnlos die Zeit erscheinen mag und wie hoffnungslos die Aussicht ist, wir dürfen zu ihm nach Hause kommen in seine liebenden Arme.
Denn in ihm leben und weben und sind wir. Amen.

 

Ich grüße Sie ganz herzlich als ihr neuer Theologischer Vorstand
Pfarrer Matthias Welsch

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Juni 2021

Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.

Apostelgeschichte 5,29
Dieser Satz macht mich erst einmal nachdenklich, doch man sollte ihn wohl immer im Zusammenhang lesen, solche Sätze werden auch gern von Fanatiker des Glaubens miss­braucht.

In der Geschichte wird davon berichtet, dass den Aposteln durch die Ratsver­sammlung in Jerusalem das Predigen und das Lehren des Wortes Gottes verboten wurde. Doch damit wollten sie sich nicht abfinden, denn Sie hatten eine Botschaft zu verkünden, die Ihnen am Herzen lag. So geht es uns auch heute noch. Wir wollen auf Gottes Wort hören, der mit seiner Liebe und Gnade zeigt, was wichtig ist, was gemacht werden muss. Er will, dass wir aufeinander achten, wir aufmerksam machen auf Dinge, die nicht gut laufen, dass wir uns einsetzen gegen Hass, Gewalt, Armut und Ausgrenzung in jeder Form. Das heißt für uns als Christinnen und Christen, dass wir Orientierung finden in der Bibel und Antworten auf die Fragen, die uns bewegen. An anderer Stelle haben wir in der Diakonischen Unternehmensverantwortung die Frage in den Raum gestellt “Was würde Jesus dazu sagen“.
Menschen vor uns haben ihre Erfahrungen mit Gott aufgeschrieben. An vielen Stellen in der Bibel, besonders in den Gleichnissen und der Bergpredigt, bekommen wir Antworten. Das kann uns Mut machen und wir können fröhlich ans Werk gehen, jeder an seiner Stelle und immer den Menschen im Blick. Aus dieser Lebenshaltung heraus konnten auch Martin Luther in Worms und Dietrich Bonhoeffer sich den damaligen Machthabern entgegenstellen und auf Gottes Wort verweisen. Sie folgten ihren Gewissen und waren so Gott gegenüber gehorsam. „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2.Thimoteus 1,7)  Das gibt uns Mut.
Deshalb sollen und müssen wir uns einmischen, damit es auf der Welt friedlicher, ökologischer und menschlicher zugeht. Und so können mit den Worten des Psalms 86 Vers 11 beten: „Weise mir, Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit, erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.“

Schließen möchte ich mit einem bekannten Gesangbuchliedes von Cornelius Beck:

Wohl denen, die da wandeln, vor Gott in Heiligkeit,
nach seinem Worte handeln und leben allezeit;
die recht von Herzen suchen Gott und sein Zeugnis halten, sind stets bei ihm in Gnad.
 

Von Herzensgrund ich spreche, dir sei Dank allezeit,
weil du mich lehrts die Rechte deiner Gerechtigkeit.
Die Gnad auch ferner mir gewähr, ich will dein Rechte halten, verlass mich nimmermehr.

Mein Herz hängt treu und feste an dem was dein Wort lehrt.
Herr tu bei mir das Beste, sonst ich zuschanden wird.
Wenn du mich leitest, treuer Gott, so kann ich richtig laufen den Weg deiner Gebot.

Dein Wort, Herr nicht vergehet, es bleibet ewiglich,
soweit der Himmel gehet, der stets beweget sich;
dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit gleichwie der Grund der Erden, durch deine Hand bereit.

 

Ihre Christiane Soyeaux
Stabsstelle Christliches Leben und Diakonie

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Mai 2021

Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen.

Sprüche 31,8

Viele kennen den Moment im Leben, an dem man sich fragt, warum tust du dir das eigentlich an. Oftmals sind das die Momente, wo alles auf einmal und dann oft ganz Dicke zusammen kommt.
In dieser Zeit, die uns nun schon über ein Jahr - außerhalb unserer regulären Arbeit und unseres vertrauten Handelns - mit immer wiederkehrenden unvorhersehbaren Situationen konfrontiert, ist es umso wichtiger, einen Fels sein Eigen nennen zu können. Einen Glauben, an dem wir uns aufrichten können und der eben unser Fels ist.
Nun leben wir in einer Zeit, in der es den Menschen immer häufiger an Glauben fehlt und es dadurch für Menschen ohne Glauben umso schwieriger ist.

Wir, die in der Eingliederungshilfe täglich für und mit Menschen mit Beeinträchti­gung arbeiten, setzen uns für diese mit voller Kraft und ganzem Herzen ein. Und so sind die Worte Lemuels, des Königs von Massa, die ihn seine Mutter lehrte, unser Fels und unsere Aufgabe.
Täglich müssen wir erfahren, wie wichtig selbst in einer aufgeklärten Gesellschaft wie der unseren dieser Einsatz ist. Immer noch sind Ausgrenzung und Ablehnung dem anderen, dem unbekannten, dem Menschen, der nicht der rituellen Norm entspricht, an der Tagesordnung. Allzu oft erleben wir in der Gesellschaft eine notgedrungene Akzeptanz, selten ein offenes Miteinander.
Leider müssen wir uns selbst auch oftmals fragen, wie offen wir mit unserer Arbeit umgehen. Wie oft bauen wir selbst vermeintliche Schutzwälle auf und verhindern dadurch ein Hineinwachsen in die Gesellschaft. Ist es nicht an der Zeit, nicht nur die Türen zu öffnen, sondern nach draußen zu gehen und die Menschen, für die wir da sind, mit in die Gesellschaft zu nehmen?

Ein inklusives Leben für alle Menschen wird es nur dann geben, wenn auch wir unsere Arbeit zur Normalität werden lassen, wenn wir jedem einzelnen zeigen, wie normal auch die Menschen sind, für die wir uns jeden Tag einsetzen und denen wir Gehör verschaffen. Bis wir dies gemeinsam geschafft haben, bis wir voller Überzeugung behaupten können, dass jeder Stumme gehört und jeder Schwache sein Recht bekommt, vereint uns in der Lafim-Diakonie - ob mit oder ohne Glauben - der Spruch des Monats „Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen“.

 

Nico Vogel
Fliedners Lafim-Diakonie

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April 2021

Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.

Kolosserbrief 1,15

Man kann sich gar nicht vorstellen, wie groß das Problem für die ersten Christen war: wer oder was war denn dieser Jesus, den wir jetzt den Christus nennen?

Die Leute in der griechischen Stadt Kolossai hatten von dem Apostel Paulus die ganze Geschichte gehört, damit konnte man in seinem Leben wirklich etwas anfangen. Nicht das mit den fernen und unsichtbaren Göttern, von denen man eigentlich gar nichts merkt, und die bei den großen Problemen des Alltags in keiner Weise helfen können. Wenn es im Leben schwer wurde, dann war von denen nichts zu sehen. Und nun hat ihnen Paulus von einem Mann erzählt, der wirklich da war. Kein Geist, keine Geschichte, kein Märchen. Dabei haben doch die Juden - und dieser Jesus war Jude - immer erzählt: Gott kann man nicht sehen! Und das 2. Gebot* sagt eindeutig: wir sollen uns auch keine Bilder von ihm machen! Die anderen Völker hatten alle Bilder, Statuen oder heilige Tiere - eben irgendwas, was man sehen, ja anfassen konnte. Eben was Handfestes, etwas zum Vorzeigen. Und nun sagt ihnen Paulus, es ist so: Jesus Christus war wirklich da. Der unsichtbare Gott zeigt Gesicht. Mit dem fängt so zusagen noch einmal alles von vorn an. So, als würde mit ihm die Schöpfung, die Erschaffung der Welt wieder neu beginnen. Wunderbar ist das, kaum zu glauben! Bis dahin war man Götter gewöhnt, denen man Opfer zubringen hatte, die nie da waren, wenn man sie brauchte. Kalte Götzenbilder, angsteinflößend und nutzlos. Für die Christen in Kolossai war das völlig neu. Ein Gott, vor dem man keine Angst haben muss, der im Gegenteil die Angst beseitigt. Nur, zu sehen ist er wieder nicht. Menschen mögen Dinge, die sie sehen können. „Was ich nicht sehen kann, das gibt es nicht!“

Ich kann mich mit Schaudern daran erinnern, wie eine Lehrerin mich als 10jährigen vor der ganzen Klasse aufforderte, doch nun mal meinen Gott zu zeigen. Ich habe in diesem Augenblick, wo die „pädagogische Fachkraft“ die ganze Klasse aufforderte, mich nun auszulachen, gebetet: Lieber Gott, mach was! Lass ihr grüne Haare wachsen, oder verwandle sie in eine Kuh! Das hat er nicht getan. War wohl auch etwas zu viel verlangt. Aber mal echt, wäre es nicht wunderbar, wenn gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit unser Gott mit der Faust auf den Tisch hauen würde, so dass alle wach werden. Die Spinner und machtbesessenen Gernegroßen erzählen den größten und gefährlichsten Unsinn, und viele Leute glauben das auch noch. Wo sie doch sonst immer nur an das glauben, was sie sehen können. Von dem guten Gott, der mit Jesus wirklich Gesicht gezeigt hat, wollen sie nichts wissen. Und wenn im Internet die abenteuerlichsten Verschwörungstheorien verbreitet werden, dann glauben sie es. „Ja,“ sagen sie, „ja, da steht es doch schwarz auf weiß, da kann ich das doch sehen!“
Lasst euch von niemandem betrügen, fallt nicht auf Leute herein, die so tun, als hätten sie die Wahrheit und Lösung für eure Probleme! So sagt es Paulus den Christen damals und auch uns heute. Wenn Menschen Gott spielen und das Heil versprechen, dann wissen wir es besser. Immer kann man hinter die Kulissen schauen, wenn man das will. Leichtgläubig ist das Stichwort. Leichtgläubig sind Menschen immer gewesen. Wir nicht! Wir haben für unseren Glauben einen schweren Grund, eine unerschütterliche Grundlage, die keine Modeerscheinung ist. „Christus ist das Bild des unsichtbaren Gottes“, sagt uns Paulus. Wir haben Bilder, die uns Gott symbolisch zeigen: Nächstenliebe, Geduld, Hoffnung, Glaube und Liebe. Das ist ganz konkret, mit Händen zu greifen. Und das ist für immer, wunderbar!

Ihr Pfarrer Matthias Fiedler

* Das 2. Gebot des Alten Testamentes hat Martin Luther bei den 10 Geboten, wie wir sie kennen, einfach wegfallen lassen.

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März 2021

Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Lk 19,40

Im März, ja, da kann ich das glauben. So müde und tot erschien die Erde im Winter. Nun aber schieben sich die ersten Pflanzenstängel ins Licht. Und mir scheint plausibel, dass auch das Totgesagte, Steinerne eine Stimme hat.

 

Der steinerne Glockenturm unserer Kirche steht fest und stabil, wenn die tonnen­schweren Glocken ganz oben zu schwingen beginnen. Sie rufen zum Gottesdienst. Mit weit vernehmbarer Stimme laden sie zum innezuhalten und für ein kurzes Gebet ein. Am Morgen, am Mittag, am Abend.
An diesem Morgen sieht der Glockenturm etwas anders aus als sonst. In der Nacht, während die Glocken schwiegen, ist jemand mit einer Farbdose gekommen. "Gott
ist tot. Amen", hat er mit weißer Farbe in großen Buchstaben auf die Steine gesprüht. Es wirkt fast so, als hätte ein Sprayer den Steinen Worte, die sie herausschreien, in den Mund gelegt. Und die Steine schreien sie dem, der vorbeigeht entgegen. Hier macht einer seine Meinung mit weißer Farbe öffentlich!
„Gott ist tot. Amen“. Warum musste das gesagt werden, was schwingt wohl mit, in diesem stummen und doch so deutlichen Schrei? Ist der, der ihn auf die Steine gesprüht hat, verzweifelt? Vielleicht hat er etwas durchgemacht, was er nicht mit Gott in Verbindung bringen kann. Warum lässt Gott das zu? Ist er zornig über etwas, was er mit der Kirche erlebt hat? Ist er wütend auf jene, die sie repräsentieren? Oder will er einfach nur provozieren? Und warum hat er ein "Amen" hinter sein Statement gesetzt, den typischen Schluss für ein christliches Gebet? Es klingt fast so, als wende er sich an genau die Adresse, die er soeben als nicht existent erklärt hat. Oft steht tatsächlich Verletzung, Wut oder Verzweiflung hinter solch einem Satz. Und wer weiß: Vielleicht gibt es noch einen Funken Hoffnung, dass ich eine Antwort bekomme. Dass mein Gegenüber das Schweigen bricht und Wege findet, die eine Begegnung möglich machen?
Im März, ja, da kann ich es glauben. Dass die Steine lebendig werden und ihre Stimmen vernehmbar sind. Denn die Worte erzählen von ihm, der alles Tote lebendig macht. Die Farbe Weiß aber, die der Sprayer verwendet hat, macht Hoffnung, denn sie ist die Farbe der Auferstehung. Amen.

Zu Beginn des Monats März grüßt Sie herzlich

Diakon Olaf Eggert
Fliedners Lafim-Diakonie

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Februar 2021

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!

Lukas 10, 20

Wo ist unser Name nicht überall verzeichnet; zuerst in der Geburtsurkunde, da wird er offiziell und den/die Vornamen behält man sein ganzes Leben lang. Er begleitet uns, auf ihn hören wir und so werden wir angesprochen.

Wir sind durch unseren Namen eine unverwechselbare, einzigartige, besondere Person und können identifiziert werden, zum Beispiel im Ausweis, Reisepass u. a. Dokumente. Auch wenn wir mit unserem Namen unterschreiben, sind wir erkennbar und unverwechselbar.
Gott hat mich, meinen Namen, im Buch des Lebens, im Namensverzeichnis
im Himmel aufgeschrieben, dort bleiben wir ewig und sind nicht vergessen. Darüber können wir uns freuen. Gott hat uns angenommen, er kennt uns und er hat ein Auge auf uns, egal wo wir sind, soweit der Himmel reicht.
Wir sind nicht übersehen, er vergisst uns nicht, auch nicht, wenn wir mal untertauchen oder wenn wir zweifeln, weil wir vieles nicht verstehen.
Wir dürfen sicher sein, dass unsere Namen bei Gott gut hinterlegt sind und
er überall um uns ist, deshalb können wir mit Freude in den neuen Monat gehen.

In einem Lied von Arno Pötsch heißt es:

Meinem Gott gehört die Welt, meinem Gott das Himmelszelt
ihm gehört der Raum, die Zeit, sein ist auch die Ewigkeit.

Und sein eigen bin auch ich. Gottes Hände halten mich
gleich dem Sternlein in der Bahn; keins fällt je aus Gottes Plan.

Seien Sie herzlich gegrüßt

Christiane Soyeaux
Leiterin der Stabsstelle Christliches Leben und Diakonie

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Januar 2021

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

Lukas 6,36

Das ist die Jahreslosung für 2021. Was und wohin wird es uns bringen das Jahr 2021? Wo werden wir in einem Jahr stehen? Solche Fragen beschäftigen uns heute mehr als zu anderen Zeiten.

Und es gibt wohl weniger Antworten als in anderen Jahren. Also schauen wir einmal auf den Text aus dem Lukasevangelium, wenn wir dem Folgen, wird es ein barmherziges Jahr. Das sind doch schon mal gute Aussichten. Oder?

Was bedeutet eigentlich „barmherzig“? Im Internet steht dazu: „Die Barmherzigkeit (lateinisch misericordia) ist eine Eigenschaft des menschlichen Charakters. Eine barm-herzige Person öffnet ihr Herz fremder Not und nimmt sich ihrer mildtätig an.“ „Barmherzigkeit = aus Mitgefühl helfen, Leiden zu lindern.“

Barmherzigkeit heiß also hinschauen und meine Mitmenschen wahrnehmen. Ich denke gerade in dieser Zeit, wo sich alles nur um Infektionszahlen zu drehen scheint und wir auf Distanz gehen müssen, ist das besonders wichtig. Menschen nicht aus dem Blick verlieren, Nöte, vielleicht Einsamkeit, Sorgen oder Hilflosigkeit wahrnehmen und lindern. Im Nahen, bei Nachbarn, Freunden, in der Familie oder bei Kollegen_innen, im Fernen, nicht wegschauen, denn Flüchtlingsdramen und Klimawandel sind nicht weniger brennend als vor Corona. Barmherzigkeit wird auch als tätige Nächstenliebe beschrieben. Also ein klarer Auftrag, mach was! Losgehen und die Welt verbessern, helfen, trösten, Zeit nehmen... Und schon komme ich in die Defensive: Ich sollte, ich müsste und überhaupt … was denn noch alles. Woher soll ich die Kraft für alle und alles nehmen? Gut, dass die Jahreslosung nicht nur heißt „Seid barmherzig!“, sondern weitergeht „wie auch euer Vater barmherzig ist.“
Wir müssen barmherzig nicht aus uns selbst sein. Gott, schenkt uns seine Barmherzigkeit, seine unermessliche Liebe. Darin sind wir geborgen und daraus können wir schöpfen. Ich darf zuallererst barmherzig mit mir selber sein, mit mir, meiner Schwachheit und all meinen vermeintlichen Unzulänglichkeiten. Ich mach mein Herz weit, lasse mich von Gottes Liebe und Freundlichkeit berühren und gehe ich los und schenke der Welt ein Lächeln.

Also wenn wir barmherzig sind, den Menschen um uns herum ein wenig Aufmerksamkeit schenken, ein freundlicher Blick, ein paar nette Worte. Wenn wir anderen Menschen mit Nächsten¬liebe, Mitgefühl und Wohlwollen begegnen, kann es doch ein gutes Jahr 2021 werden.

Und dann sind da noch die beiden Stimmen in mir. „Träum weiter“ sagt die eine, „Da müsste schon ein Wunder geschehen, dass die Welt barmherziger wird“. „Na und?“ sagt die andere „Wunder können geschehen!“. „Das glaubst du doch nicht wirklich“.
Naja, da hilft der Blick zurück auf die Jahreslosung 2020 „Ich glaube, hilf meinen Unglauben“

Zu Beginn des neuen Jahres grüßt Sie Ihre
Anette Schmidt – Leiterin Stabsstelle Personal- und Organisationsentwicklung

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Pflegefachleute

400 Stunden

Orientierungseinsatz – ambulant (bei den Menschen zuhause) oder stationär (in unseren Einrichtungen)

400 Stunden

Pflichteinsatz – stationäre Langzeitpflege an einem unserer Standorte

400 Stunden

Pflichteinsatz – ambulante Pflege in unseren ambulanten Stationen

120 Stunden

Pflichteinsatz – in der Pädiatrie bei einem unserer Kooperationspartner

400 Stunden 

Pflichteinsatz – im Krankenhaus bei einem unserer Kooperationspartner

 

Zwischenprüfung

120 Stunden 

Pflichteinsatz – in der Psychiatrie bei einem unserer Kooperationspartner

500 Stunden 

Vertiefungseinsatz – plus 160 Stunden zur freien Verteilung
(ambulant oder stationär) in unseren Einrichtungen

Abschluss der Ausbildung (Dauer in Vollzeit drei Jahre/ in Teilzeit bis zu fünf Jahre)

Pflegehelfer:in

Kaufmann:frau im Gesundheitswesen

Kaufmann:frau für Bürokommunikation

Berufsbegleitende Ausbildung staatlich anerkannte:r Erzieher:in

Hotelfachmann:frau​

Koch/Köchin

Pflegestudium mit integrierter Berufsausbildung

Studiengang: Case Management im Sozial- und Gesundheitswesen (Bachelor of Arts)

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