Psalm 25,15

Meine Augen“ ist der Anfang des Psalm-Verses, der gestern am dritten Fastensonntag mit Namen Okuli, das heißt übersetzt „meine Augen“ gebetet wurde.
Meine Augen. Meine Augen habe nur ich. Augen können grün, braun oder blau sein oder Schattierungen dazwischen haben. Jeder Mensch hat eine ganz eigene Färbung. Augen können leuchten oder trübe sein. Sie kleiden sich mal mit dunklen Ringen, wenn es zu wenig Schlaf gab und mal mit Lachfältchen, wenn sie fröhlich sind. Unsere Augen verraten viel über unser Innenleben. Wir alle müssten mittlerweile Experten darin sein, die Augen von anderen zu deuten, da während der Coronazeit die Maske alles andere verdeckt hat.
„Meine Augen sehen“. Wir muten unseren Augen einiges zu. Wenn man Studien liest, wie viel Zeit Menschen damit verbringen, auf das Handy, den Computer oder in den Fernseher zu sehen, wird einem mulmig zumute. Bilder aus der ganzen Welt werden in rasender Geschwindigkeit von unseren Augen aufgenommen. Während für uns oft die Vielzahl an Bildern im Vordergrund steht, war die Bedeutung des Sehens für Menschen im alten Israel ganz anders. Es hatte immer mit der Qualität des Gesehenen zu tun: „Siehe, du bist schön, meine Freundin, siehe, du bist schön! Deine Augen sind wie Tauben hinter deinem Schleier.“ Im Hohelied Salomos (4,1) geht es um die Qualität des liebenden Blickes. Im Schöpfungsbericht heißt es: „Und Gott sah an, alles was er geschaffen hatte, und siehe, es war sehr gut.“ (1.Mose 1,31) Immer spielt die Beziehung von dem, der sieht und dem, der gesehen wird, eine Rolle.
„Meine Augen sehen auf den Herrn“. Ich habe eine kleine geistliche Übung für Sie. Gehen Sie in nächster Zeit mal in eine Kirche und setzen Sie sich so, dass Sie auf das Kreuz schauen können. Machen Sie fünf Minuten nichts anderes als auf das Kreuz zu sehen und stellen Sie sich vor, dass Ihr Sehen nicht ohne Antwort bleibt. Denn Gott sieht zurück. Er sieht Sie an. Lassen Sie sich ansehen. Meine Augen sehen auf den Herrn – der Herr sieht auf Sie. Wie es die Bibel sagt: „Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“ (4.Mose 6,24-26)

Wir beten:
Gott, viele Bilder sind es, die wir jeden Tag sehen und verarbeiten. Wir bitten Dich, schenke Du unseren Blicken Zeit zum Ausruhen.
Hilf uns aus der Zerstreuung unseres Sehens und führe unsere Blicke zu Dir. Schenke uns die Gabe des tiefen Blicks, der mehr wahrnimmt, als vor Augen ist.
Guter Gott, du siehst uns an, du siehst, was uns gelingt, du siehst, wo wir scheitern.
Wir bitten dich: Öffne uns Augen, Ohren und Herzen für deine oft alltägliche Nähe in einer Berührung, in einem aufbauenden Wort.

Wochenspruch:   Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Lukas 9,62

Wochenpsalm:     Psalm 34  –  EG 718

Wochenlied:         EG 391 – Jesus, geh voran

Download:            ANgeDACHT 2022-12

Zu Beginn der Woche grüßt Sie herzlich

 

Diakon Olaf Eggert
Fliedners Lafim-Diakonie